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Strategieworkshop in Ebersberg - Pressemitteilung des Jobcenters Ebersberg

24.04.2018 - Bessere Integration von Geflüchteten durch mehr Transparenz - Ebersberg stellt sich einer Analyse

Ebersberg, März 2018) - Es reicht nicht, geflüchtete Menschen nur Willkommen zu heißen. Es müssen auch die richtigen Strukturen geschaffen werden, damit vor allem die jungen, oft unbegleiteten Geflüchteten hier bei uns wirklich ANKOMMEN können. Hermann Schmidbartl, Leiter des Jobcenters Ebersberg, weiß das und hat deshalb ein Projekt angestoßen, das sich jetzt auch um den Bayrischen Integrationspreis beworben hat. Um herauszufinden, wie berufliche und soziale Integration am Besten gelingt, wo und wie die Strukturen dafür verbessert werden können, wurde im vergangenen Jahr das Projekt „WzA - vom Willkommen zum Ankommen“ gestartet. Basis dafür ist eine umfangreiche Landkreisanalyse. 70 Akteure, erfolgreiche und weniger erfolgreiche Geflüchtete wurden dazu ausführlich interviewt. Anfang März wurden die Ergebnisse im Rahmen eines spannenden Strategie-Workshops präsentiert.

Einen ganzen Tag lang waren Vertreter aller Behörden und Institutionen, die tagtäglich mit Geflüchteten zu tun haben aufgefordert, sich auszutauschen und an konkreten Themenfelder zu arbeiten, um die regionale Handlungsstrategie voranzubringen. Es war beeindrucken, mit welchem Engagement die Mitarbeiter von Jugend- und Ausländeramt, Helferkreisen, AWO, Berufsschulen, Bildungs- und Berufsberatungen (IHK, HWK, Jobcenter, Agentur für Arbeit, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bereich Gartenbau), Firmen und Geflüchtete in den einzelnen Workshops miteinander diskutierten.

In einem Workshop ging es darum, welche regionalen Berufe gute und vor allem realistische Einstiegschancen bieten und wie wichtig es ist, die Kriterien der Geflüchteten für die Berufswahl zu berücksichtigen. Denn die meisten Geflüchteten sind, wenn sie hier ankommen, keine Fachkräfte. Mehr als drei Viertel haben ein zu niedriges Bildungsniveau oder sind Analphabeten – was ja nicht verwunderlich ist, denn fast alle kommen aus Kriegsgebieten und brauchen viel Unterstützung, um hier bei uns beruflich erfolgreich zu sein. Überall wurde offen hingeschaut und auch nichts beschönigt. Besonders im zweiten Workshop wurde das deutlich. Hier ging es um „Motivation und Sanktion“. Wie können junge Geflüchtete besser motiviert werden? Was, wenn Sie die Hilfsangebote nicht annehmen? Schule -Schwänzen? Ausbildungen abbrechen? Müsste es nicht härtere Sanktionen geben oder würde es schon helfen, wenn zuständige Stellen besser vernetzt wären und es mehr persönlichen Austausch bei den Behörden gäbe? Oder gibt es positive Anreize - und welche könnten das sein?

Bevor es in die einzelnen Workshops ging, gab es hierzu schon ein hoch interessantes Interview von BR – Fernseh- und Radiomoderatorin Iska Schreglmann mit der Syrerin Zeina Elcheikh, die seit einigen Jahren als Berufsberaterin für Geflüchtete arbeitet, und dem Afghanen Musa Khatri, einem Architekten und Initiator einiger sozialer Projekte in seinem Heimatland. Beide betonten, dass es natürlich wichtig sei, die nach Deutschland Geflohenen zu unterstützen, Ihnen Schutz und eine Ausbildung zu gewähren, aber fördern allein helfe nicht. Deutschland müsse auch Leistung fordern. Integration sei keine Einbahnstraße, sondern ein Geben und Nehmen. Nicht arbeiten zu dürfen, Geld zu bekommen, ohne dafür zu arbeiten, sei in anderen Kulturen nicht peinlich, sondern werde eher als Glücksfall gesehen. Deshalb plädierten beide Interviewpartner überraschend streng dafür, Geflüchtete besser mit Sachleistungen zu unterstützen und allein Arbeit mit Geld zu belohnen. Und vor allem mehr Möglichkeiten zu schaffen, mit Migranten in Kontakt kommen, die es geschafft haben, hier wirklich „anzukommen“, zu arbeiten, sich zu integrieren. Möglich sei das z.B. durch mehr Migranten als Lehrer in Integrationskursen, die aus eigener Erfahrung wertvolle Hinweise und Strategien zum richtigen Einleben vermitteln könnten. Das mache Mut, das motiviere.
Neben der Sprache sei vor alle das Verständnis der Grundwerte für ein friedliches Miteinander Voraussetzung für eine gelungene Integration.
Schon am Vormittag hatte Andrea von Gleichenstein, Projektleiterin des WzA Projekts, die als Expertin für Interkulturelles mit ihrer Firma TDC viele Seminare für Firmen hält und Kommunen berät, als weiteres wichtiges Ergebnis der Landkreisanalyse, den großen Wunsch aller Beteiligten nach mehr Wissen über die Kulturen der Herkunftsländer und den jeweiligen Bildungshintergrund präsentiert. Und sie hatte dazu auch gleich einen Workshop organisiert, um nicht nur über sondern auch mit den jungen AZUBIS mit Fluchthintergrund (FAZUBI) über ihre Erfahrungen in der Berufsschule und bei der Ausbildung zu sprechen. Es gibt etwa 90 im Landkreis Ebersberg –immerhin 13 waren gekommen. Die meisten haben positiv über die Arbeit in den Firmen berichtet, die Berufsschule stelle jedoch eine große Hürde dar. Auch der bayerische Dialekt sei ein Problem, die schwierige öffentliche Anbindung auf dem Land mit Bussen und Zügen kostet viel Zeit, und das Fehlen eines geeigneten Lernumfelds erschwert in manchen Unterkünften das effektive Lernen für die Berufsschule erheblich.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Landkreisanalyse, so Andrea von Gleichenstein (TDC), sei der große Bedarf an mehr Transparenz im „Maßnahmen-Dschungel“ gewesen. Denn punktuelle Maßnahmen reichen nicht aus, um den Bedarf an Weiter- und Nachqualifizierung zu decken. Die Abfolge könne nur sinnvoller und effektiver gestaltet werden, wenn die unterschiedlichen Bildungsniveaus besser berücksichtigt würden. Wenn es klare Voraussetzungen für die Teilnahme gebe und noch bessere Absprachen zwischen allen beteiligten Institutionen und Personen. Noch mehr miteinander reden - Das wünschten sich auch die Firmenvertreter - Bäckermeister Martin Freundl und der Integrationsbeauftragte von REWE Süd , Ibrahim Maiga. Beide berichteten in einem sehr gut besuchten Workshop ausführlich darüber, wie hochmotiviert und lernwillig diese jungen Menschen seien und wie positiv sich der große Optimismus, das respektvolle Verhalten und die Hilfsbereitschaft der jungen Geflüchteten auf das Betriebsklima auswirken könne. „Da haben wir schon öfter mal wirklich verborgene Talente frei gelegt“, erzählt Bäckermeister Freundl, bei dem 4 von 11 (?) Lehrlingen einen Migrationshintergrund haben.
Trotzdem wurde im Workshop auch nicht verschwiegen, dass die schulische Ausbildung, vor allem in Bereich Mathematik, und auch was das Schreiben anbetrifft, unbedingt verbessert werden müsse. Dass es oft an eigenständigem Arbeiten mangele und so mancher Kollege murrt, weil die jungen Flüchtlinge anfangs einfach mehr Anleitung benötigen, als deutsche AZUBIs.

Die Stimmung beim WzA-Workshop war durchgehend gut und es kam zu vielen Gesprächen. Schon hier begann also der so dringend gewünschte Austausch zur Stärkung des Netzwerkes. Gastgeber und Initiator Hermann Schmidbartl: „Ich denke, wir sind heute einen großen Schritt weiter gekommen in der Vernetzung aller beteiligten Stellen in unserer Region. Von Behördenseite genauso wie von Seiten potentieller Arbeitgeber“, resümierte er. „Die Integration junger Flüchtlinge durch Ausbildung und Arbeit, ist ein wichtiges Thema bei uns im Landkreis. Es wurde sachlich und sehr effektiv diskutiert. Mit solch einem wertschätzenden, offenen Umgang, so wie er heute hier geherrscht hat, kommen wir auf jeden Fall weiter!

Ein spezieller Workshop zur Transparenz der Maßnahmen und Anpassung an die verschiedenen Bildungsniveaus ist bereits geplant. Genauere Infos zum Projekt finden sich bald auf der Webseite des Landratsamts und des Jobcenters Ebersberg.


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