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Fledermauszälung

Meldung vom 22.05.2020

Fledermausschutz im Landkreis Ebersberg Viele Fledermausarten in Bayern sind gefährdet – Bestandserfassung soll einen Überblick geben.

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Fledermausschutz im Landkreis Ebersberg

Viele Fledermausarten in Bayern sind gefährdet – Bestandserfassung soll einen Überblick geben

Corona ist derzeit das vorherrschende Thema, das unser aller Leben erheblich verändert. Da geraten andere Themen gerade leicht aus unserem Blickfeld. Aber auch im Tierreich kämpfen manche Arten ums Überleben. Und das nicht nur irgendwo in den fernen Tropen oder tiefen Meeren, sondern ganz nahe bei uns, vor unseren Augen, direkt vor unserer Haustüre. Zum Beispiel Fledermäuse. 23 verschiedene Arten sind derzeit in Bayern heimisch. Alle sind sie streng geschützt und viele in ihrem Bestand gefährdet. Dabei kommen einige von ihnen in enger Nachbarschaft zu uns vor und besiedeln Dachböden oder verstecken sich hinter Holzverkleidungen, Fensterläden oder unter Flachdachabdeckungen. Dort fristen die harmlosen Tiere ihr friedfertiges, oftmals von uns Menschen nicht wahrgenommenes Leben und vertilgen Nacht für Nacht jede Menge Insekten, darunter auch viele Schädlinge und Stechmücken. Quasi ihre Art, Miete zu bezahlen.

Jetzt soll im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde untersucht werden, welche Fledermausarten im Landkreis Ebersberg vorkommen und wo sie verbreitet sind. Schon vor 20 Jahren fand eine Fledermauserfassung im Landkreis statt. Damals waren Quartiere von 15 verschiedenen Fledermausarten bekannt, wobei der Landkreis mindestens 17 Fledermausarten beherbergte, eine beachtliche Anzahl! Aber in den vielen Jahren bis heute kann sich viel verändert haben und Quartiere erloschen oder ganze Arten verschwunden sein. Oder aber es kamen Arten neu hinzu, da sie z. B. im Zuge der Klimaerwärmung den Landkreis mittlerweile besiedeln können.

So kehrt beispielsweise dank der seit einigen Jahren durchgeführten, intensiven Schutzbemühungen die nur 5g schwere, in Deutschland vom Aussterben bedrohte Kleine Hufeisennase wieder in einige ihrer ehemals bewohnten Gebiete Südbayerns zurück. Vor ungefähr 50 Jahren war das Leichtgewicht mit der markanten Nase hier noch häufig anzutreffen, wurde dann aber innerhalb von nur 20 Jahren aufgrund des Einsatzes hochgiftiger Insektenvernichtungs- und Holzschutzmitteln im letzten Jahrhundert nahezu ausgerottet. Heute zählt sie mit zu den seltensten Säugetierarten Bayerns. Ihr Rückgang ist aber mittlerweile gestoppt und die im Alpenvorland überlebenden Restbestände können sich wieder ein wenig erholen. Möglicherweise kommt die Kleine Hufeisennase, die für ihren Quartierstandort warme Dachböden bevorzugt mittlerweile auch wieder im Landkreis Ebersberg vor.

Um dies aber auch die Bestandsituation aller anderen Fledermausarten zu untersuchen, ist im Landkreis dieses und nächstes Jahr ein fünfköpfiges Team aus vier Biologinnen und einem Biologen unterwegs, um z. B. in Kirchen nach Fledermausvorkommen zu suchen oder ehemals bekannte Kolonien an Wohngebäuden zu zählen. Das Landratsamt bittet daher, die Fledermausexperten bei ihrer Arbeit zu unterstützen, falls diese sich bei Ihnen melden oder um die Erlaubnis bitten, die Tiere zählen oder die bei Ihnen vorkommende Fledermausart bestimmen zu dürfen. Natürlich werden dabei die derzeit geltenden Verhaltensregeln zum Infektionsschutz wie die Wahrung des Mindestabstandes usw. eingehalten. Von den Fledermausfachleuten können Sie viel Interessantes über die Tiere erfahren oder sich bei Fragen in Sachen Fledermaus beraten lassen. Das Fledermausteam benötigt aber auch Ihre Mithilfe beim Auffinden von bislang unbekannten Quartieren. Falls Sie also Fledermausvorkommen auf Dachböden, in Scheunen oder Ställen oder sonst wo an Gebäuden kennen, wären die BiologInnen über eine Mitteilung sehr dankbar. Jede Meldung kann einen wichtigen Beitrag für den Schutz und den Erhalt dieser einzigartigen und nützlichen Säugetiere leisten!

Das Landratsamt bittet daher, Ihnen bekannte Fledermausquartiere unter folgender Telefonnummer zu melden: 08092/823174 (Fr. Holzmann, Untere Naturschutzbehörde Ebersberg) bzw. auch per E-Mail an roswitha.holzmann@lra-ebe.de. Die Nachricht wird dann an die Fledermausspezialisten weitergleitet.

Übrigens: Falls bei Ihnen Fledermäuse am oder im Haus leben, müssen Sie keine Angst bezüglich der Übertragung von Krankheiten haben. Von einem Fledermausquartier geht bei normalem Umgang keine gesundheitliche Gefahr für den Menschen aus! Sollten Sie eine verletzte, geschwächte oder kranke Fledermaus außerhalb des Quartiers auffinden, sollte diese aber nur mit dicken Handschuhen angefasst werden, damit Sie nicht gebissen werden. Denn natürlich können Fledermäuse, wie alle Wild- und Haustiere sowie auch der Mensch verschiedenartigen Krankheitserregern zum Opfer fallen, die durch einen Biss übertragen werden können. Dabei ist es gut zu wissen, dass unsere heimischen Fledermäuse nicht Träger des derzeit grassierenden neuartigen Corona Virus (2019-nCoV) sind!